Zwischen Anspruch und Alltag

Nachhaltigkeit im Pflegemanagement gestalten – ein Workshopbericht

2024 hat Österreich als eines der ersten Länder in Europa eine umfassende Strategie vorgelegt, die das Gesundheitswesen bis 2040 klimaneutral machen soll. Auf politischer Ebene steht also fest, wohin die Reise geht. Doch die entscheidende Frage lautet: Wie kommen diese Ziele dorthin, wo Pflege tatsächlich stattfindet – in die Häuser, Stationen und Teams?

In einem Workshop mit Führungskräften aus dem basalen und mittleren Pflegemanagement wurde genau das sichtbar. Dort zeigte sich, wie aus einem nationalen Ziel plötzlich ein ganz konkretes Projekt entsteht, das sich im Alltag umsetzen lässt.

Vom großen Ziel zur lokalen Verantwortung

Der Gesundheitssektor verursacht in Österreich rund sieben Prozent der nationalen CO₂-Emissionen. Ein beträchtlicher Anteil stammt aus Bereichen wie Medizinprodukten, der Energieversorgung von Gebäuden, Ernährung, Mobilität oder dem Umgang mit Ressourcen. Die Strategie benennt diese Felder klar, doch ihre Umsetzung beginnt immer dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – und das sind häufig die Führungskräfte, die Teams leiten, Abläufe gestalten und Entscheidungen für ihre Einrichtungen treffen.

Nachhaltigkeit ist für sie kein abstrakter Trend, sondern zunehmend Teil professioneller Führungsarbeit.

Ein Workshop, der Nachhaltigkeit greifbar macht

Um diesen Transfer von der Strategie in die Praxis zu erleichtern, wurden die Teilnehmer:innen im Workshop nicht mit theoretischen Konzepten konfrontiert, sondern mit einer Aufgabe, die unmittelbar an ihren Alltag anschließt: Sie sollten ein eigenes Nachhaltigkeitsprojekt für ihren Bereich entwickeln.

Das Arbeiten in den Gruppen verlief in zwei Schritten. Zunächst ging es darum, die Idee zu schärfen: Was genau soll erreicht werden? Wen betrifft das Vorhaben, wer kann es unterstützen, wer könnte bremsen? Und welche Risiken sind realistisch?

Erst danach begannen die Teams mit der eigentlichen Planung. Sie definierten Meilensteine, legten Zeitpläne fest, kalkulierten Ressourcen und besprachen, wer welche Verantwortung übernimmt. So entstand Schritt für Schritt ein Projektentwurf, der nicht in einer Schublade landet, sondern prinzipiell direkt umgesetzt werden könnte.

Drei Beispiele aus der Praxis

Die Vielfalt der Ergebnisse zeigte, wie breit Nachhaltigkeit in der Pflege verankert werden kann.

Eine Gruppe nahm sich die Speiseabfälle vor – ein Thema, das vielen Häusern bekannt ist. Ihr Ziel war es, innerhalb von sechs Monaten die vermeidbaren Abfälle um 20 Prozent zu reduzieren. Die Idee reichte von Bedarfserhebungen über angepasste Portionierungen bis hin zu systematischen Rückmeldungen an die Küche, um kontinuierlich nachzusteuern.

Eine andere Gruppe widmete sich dem Handschuhverbrauch. Der indikationsgerechte Einsatz schützt nicht nur die Umwelt, sondern verbessert auch die Hygiene und spart Kosten. Schulungen, Informationsmaterial und die enge Zusammenarbeit mit Hygienefachkräften bildeten den Kern ihres Konzepts. Die Gruppe kalkulierte außerdem den Aufwand – etwa 590 Projektstunden –, um realistisch einschätzen zu können, was notwendig ist.

Noch ambitionierter plante eine dritte Gruppe: Sie wollte die Mobilität ihrer Einrichtung klimafreundlicher gestalten und innerhalb von zwei Jahren sowohl E-Fahrzeuge als auch ÖPNV-Tickets einführen. Die Planung umfasste eine Pilotphase, ein detailliertes Budget und die Integration der neuen Mobilitätsformen in den Arbeitsalltag.

Was bleibt, wenn der Workshop vorbei ist

Am Ende nahmen die Führungskräfte nicht nur ein fertiges Projektmodell mit, sondern auch Kompetenzen, die für jedes Managementthema relevant sind: strukturiertes Arbeiten, realistische Planung, reflektierter Umgang mit Widerständen und ein klarer Blick für die Menschen, die in ein Projekt eingebunden werden müssen.

Die Erfahrung zeigte deutlich: Führungskräfte in der Pflege wollen Verantwortung übernehmen – und sie können es, wenn man ihnen das passende methodische Rüstzeug dafür gibt. Nachhaltigkeit wird dadurch zu etwas, das nicht von außen „aufgepfropft“ wird, sondern im eigenen Team entsteht und getragen wird.

Die nationale Strategie bietet die Richtung vor. Die Umsetzung beginnt dort, wo Pflegeführung bereit ist, diese Richtung mitzugestalten.

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