{"id":423,"date":"2026-05-12T07:36:15","date_gmt":"2026-05-12T05:36:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/?p=423"},"modified":"2026-05-18T09:56:08","modified_gmt":"2026-05-18T07:56:08","slug":"profession-pflege-akademisiert-digitalisiert-rationalisiert-und-irgendwann-marginalisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/2026\/05\/12\/profession-pflege-akademisiert-digitalisiert-rationalisiert-und-irgendwann-marginalisiert\/","title":{"rendered":"\ud83c\udf99\ufe0fProfession Pflege: akademisiert, digitalisiert, rationalisiert \u2026 und irgendwann marginalisiert"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong> <\/strong>\ud83c\udf99\ufe0f<strong>Praxis Talk by diepartner.at<\/strong> <em>\u201eAkademisch gedacht. Praxisnah erkl\u00e4rt.&#8220;<\/em> <strong>von Gabriela Messner<\/strong> <br><strong>Gedanken zum Internationalen Tag der Pflege | 12. Mai 202<\/strong>6<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:85% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><video controls src=\"https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Messner-N-1.mp4\"><\/video><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">KI-generierte Audio-PostCast (erstellt mit NotebookLM)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 12. Mai erinnern wir an Florence Nightingale \u2013 und damit an den Beginn eines tiefgreifenden Wandels in der Geschichte der Pflege. Was 1820 mit ihrer Geburt begann, m\u00fcndete in eine Bewegung, die das Pflegeverst\u00e4ndnis bis heute pr\u00e4gt. Doch wie weit sind wir wirklich gekommen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von der F\u00fcrsorge zur Profession \u2013 ein historischer Blick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflege war \u00fcber viele Jahrhunderte vor allem F\u00fcrsorge: gepr\u00e4gt durch religi\u00f6se Orden, famili\u00e4re Verpflichtungen oder einfache Hilfst\u00e4tigkeiten. Systematische Ausbildung, wissenschaftliches Wissen und gesellschaftliche Anerkennung spielten lange Zeit kaum eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst Florence Nightingale ver\u00e4nderte im 19. Jahrhundert das Verst\u00e4ndnis von Pflege grundlegend. W\u00e4hrend des Krimkrieges (1853\u20131856) erkannte sie, dass gute Pflege weit mehr ist als blo\u00dfes \u201eHelfen&#8220;. Hygiene, Beobachtung, Struktur, Statistik, Bildung und Verantwortung konnten \u00fcber Leben und Tod entscheiden \u2013 und sie machte dies mit konkreten Daten sichtbar (Nightingale, 1860\/2007).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nightingale verstand Pflege nie als blo\u00dfe Unterst\u00fctzung \u00e4rztlicher T\u00e4tigkeit. Sie sah sie als eigenst\u00e4ndigen Bereich mit spezifischer Expertise, ethischer Verantwortung und gesellschaftlicher Bedeutung \u2013 und legte damit den Grundstein f\u00fcr das, was wir heute als Professionalisierung der Pflege bezeichnen (Weidner, 1995).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pflege heute: professioneller denn je?<\/strong> Die Pflege hat sich seither erheblich weiterentwickelt. Sie wird akademisiert, digitalisiert, spezialisiert und standardisiert. Pflegepersonen arbeiten evidenzbasiert, koordinieren komplexe Versorgungsprozesse und \u00fcbernehmen erweiterte Kompetenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der rechtliche Rahmen spiegelt diesen Wandel wider: Das \u00f6sterreichische Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) hat Kompetenz- und Ausbildungsprofile mehrfach erweitert und die Pflege als eigenst\u00e4ndige Gesundheitsprofession gest\u00e4rkt (GuKG, BGBl. I Nr. 108\/1997 idgF.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf globaler Ebene hat die Weltgesundheitsorganisation im <em>State of the World&#8217;s Nursing 2020<\/em> auf die zentrale Rolle der Pflege hingewiesen \u2013 und gleichzeitig einen weltweiten Mangel von rund sechs Millionen Pflegepersonen dokumentiert (WHO, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick also: Pflege professioneller denn je.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die irritierende Kehrseite: Deprofessionalisierung im Verborgenen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch gleichzeitig entsteht eine tiefe Spannung \u2013 denn parallel zur Professionalisierung erleben viele Pflegende Prozesse der <strong>Deprofessionalisierung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deprofessionalisierung zeigt sich nicht immer offen. Sie beginnt oft schleichend: wenn Zeit f\u00fcr Beziehung verloren geht, wenn \u00f6konomische Vorgaben fachliche Entscheidungen dominieren, wenn Pflege auf dokumentierbare T\u00e4tigkeiten reduziert wird, wenn standardisierte Abl\u00e4ufe wichtiger werden als professionelle Urteilsf\u00e4higkeit \u2013 oder wenn hochqualifizierte Pflegepersonen immer weniger Gestaltungsspielr\u00e4ume erleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflege wird dann zwar komplexer organisiert \u2013 aber nicht unbedingt professioneller erlebt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:85% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-1024x572.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-430 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-1024x572.jpg 1024w, https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-768x429.jpg 768w, https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-1536x857.jpg 1536w, https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-2048x1143.jpg 2048w, https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-1568x875.jpg 1568w, https:\/\/www.diepartner.at\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/unnamed-2-600x335.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Soziologe Eliot Freidson (2001) beschrieb, dass eine echte Profession mehr braucht als Wissen und Ausbildung: Sie braucht <strong>Autonomie, gesellschaftliche Legitimation und die Kontrolle \u00fcber das eigene Handlungsfeld<\/strong>. Dort, wo diese Elemente systematisch eingeschr\u00e4nkt werden, spricht man zu Recht von Deprofessionalisierung \u2013 auch wenn die \u00e4u\u00dferen Merkmale einer Profession weiter bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaeffer (2011) weist darauf hin, dass die Pflege zwar formale Professionalisierungsschritte unternommen hat, strukturelle Barrieren wie mangelnde Autonomie, fehlende Ressourcen und geringe gesellschaftliche Anerkennung den Professionsanspruch jedoch weiterhin untergraben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Widerspruch unserer Zeit<\/strong>: Pflegepersonen sollen hochqualifiziert, flexibel, digital kompetent und wissenschaftlich handeln \u2013 erhalten aber h\u00e4ufig nicht jene Autonomie, Anerkennung und Ressourcen, die eine echte Profession auszeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der International Council of Nurses formuliert es klar: Pflege kann ihre gesellschaftliche Rolle nur dann vollst\u00e4ndig ausf\u00fcllen, wenn Pflegende in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, faire Arbeitsbedingungen vorfinden und ihr Wissen tats\u00e4chlich zum Tragen kommt (ICN, 2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale Frage lautet daher nicht nur: <em>Wie kann Pflege weiter professionalisiert werden?<\/em> Sondern auch: <em>Wie verhindern wir gleichzeitig ihre Deprofessionalisierung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was eine Profession wirklich braucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Professionalisierung bedeutet mehr als Akademisierung allein. Eine Profession braucht (Stichweh, 1996; Freidson, 2001): fachliche Eigenst\u00e4ndigkeit, gesellschaftliche Anerkennung \u2013 nicht nur in Worten, sondern in Strukturen und Ressourcen \u2013, ethische Reflexion als Kern professionellen Handelns, wissenschaftliche Fundierung als Grundlage von Qualit\u00e4t, und die M\u00f6glichkeit, Verantwortung tats\u00e4chlich auszu\u00fcben \u2013 nicht nur formal, sondern real.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo Pflege nur noch funktioniert, statt gestalten zu k\u00f6nnen, verliert sie einen wesentlichen Teil ihrer Professionalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was w\u00fcrde Florence Nightingale heute fragen?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht w\u00fcrde sie nicht nur nach neuen Technologien fragen. Vielleicht w\u00fcrde sie fragen: Haben Pflegende noch Zeit f\u00fcr Menschen? Wird ihre Expertise ernst genommen? K\u00f6nnen sie professionell entscheiden? Oder werden sie zunehmend zu Ausf\u00fchrenden eines \u00f6konomisierten Systems?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Internationale Tag der Pflege darf kein reiner Dankes- und Feiertagsdiskurs sein. Wertsch\u00e4tzung ist wichtig \u2013 aber sie allein ver\u00e4ndert keine Strukturen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pflege ist eine Profession \u2013 und ihre Zukunft ist eine gesellschaftliche Frage<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflege verliert ihre Professionalit\u00e4t nicht dadurch, dass sie menschlich bleibt. Sie verliert sie dort, wo Menschlichkeit, Beziehung und professionelle Urteilskraft systematisch verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflege ist keine blo\u00dfe Funktion im Gesundheitssystem. <strong>Pflege ist eine Profession.<\/strong> Und ihre Zukunft entscheidet sich daran, ob Gesellschaften bereit sind, genau das auch wirklich anzuerkennen \u2013 in Bildung, in Strukturen, in Ressourcen, und in Haltung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freidson, E. (2001). <em>Professionalism: The Third Logic<\/em>. University of Chicago Press.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG), BGBl. I Nr. 108\/1997 idgF. <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\">https:\/\/www.ris.bka.gv.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">International Council of Nurses (ICN). (2023). <em>The ICN Code of Ethics for Nurses<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.icn.ch\">https:\/\/www.icn.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nightingale, F. (2007). <em>Notes on Nursing: What It Is, and What It Is Not<\/em>. Cosimo Classics. (Originalwerk erschienen 1860). ISBN 978-1-602063-61-7.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaeffer, D. (2011). Professionalisierung der Pflege \u2013 Verhei\u00dfungen und Wirklichkeit. <em>Gesundheits- und Sozialpolitik, 65<\/em>(5\u20136), 30\u201337.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stichweh, R. (1996). Professionen in einer funktional differenzierten Gesellschaft. In A. Combe &amp; W. Helsper (Hrsg.), <em>P\u00e4dagogische Professionalit\u00e4t<\/em> (S. 49\u201369). Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">WHO. (2020). <em>State of the World&#8217;s Nursing 2020<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240003279\">https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240003279<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weidner, F. (1995). <em>Professionelle Pflegepraxis und Gesundheitsf\u00f6rderung<\/em>. Mabuse-Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ud83c\udf99\ufe0fPraxis Talk by diepartner.at \u201eAkademisch gedacht. Praxisnah erkl\u00e4rt.&#8220; von Gabriela Messner Gedanken zum Internationalen Tag der Pflege | 12. Mai 2026 KI-generierte Audio-PostCast (erstellt mit NotebookLM) Am 12. Mai erinnern wir an Florence Nightingale \u2013 und damit an den Beginn eines tiefgreifenden Wandels in der Geschichte der Pflege. 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